Pressekonferenz November 2007
Pauschalreise und Reisebüros bleiben im Trend

Internet wurde vom Feindbild für Reisebüros zum Dienstleistungsinstrument

von links nach rechts: Gerhard Begher (DERTOUR), Hans Bachleitner (Huntel), Robert C. Chlebec (STAFA REISEN), Julien Bacques (Club MED)

Die Pauschalreise bleibt auch in absehbarer Zukunft noch das Erfolgsprodukt Nummer Eins, das Internet gewinnt zwar an Bedeutung, wird aber das Reisebüro nicht brotlos machen, All Inclusive hat in bestimmten Bereichen wachsende Bedeutung und spezielle Zielgruppen – Singles, Hundebesitzer – finden zwar zunehmend Aufmerksamkeit, bleiben aber auf Nischen beschränkt. Das ist in Kurzfassung das Ergebnis einer Diskussionsveranstaltung des Club Travel Media zum Thema "Reisetrends der Zukunft".

Charlotte Rettenbacher-Ludwig, die als Organisatorin der Veranstaltung kompetente Experten und zahlreiche Medienvertreter aus dem Tourismusbereich begrüßte und der Europäischen Reiseversicherung als Sponsor dankte, stellte die Eingangsfragen: Das Buchungsbarometer Tourix von Amadeus zeigt ein (leichtes) Minus bei Pauschalreisen – wie wird es weitergehen? Für Flüge und Hotels zeichnen sich Preiserhöhungen ab – führt das zu einem Schub bei All Inclusive-Angeboten? Es gibt einen Trend zu tagesaktuellen Preisen – werden die Kunden zunehmend im Internet buchen? In Österreich ist die Zahl der Single-Haushalte seit 1991 um 35 Prozent auf 1,2 Mio. Personen gestiegen, es gibt 620.000 Hunde mit über einer Million dazugehörender Menschen – wo bleiben die auf diese immerhin beachtlich großen Zielgruppen ausgerichteten Angebote?

Auch aus Bausteinen werden Pauschalreisen
„Dass die Pauschalreise auch in Zukunft das dominierende Produkt sein wird, ist hundertprozentig sicher“, erklärte Gerhard Begher, Geschäftsführer Österreich der REWE-Tochtergesellschaft DER Tour. „Immerhin entfallen in Österreich und Deutschland über 70 Prozent aller Urlaubsreisen auf diese Organisationsform.“ Er wies allerdings darauf hin, dass der Begriff nicht eindeutig definiert ist: Es gibt eine deutliche Tendenz zu „Bausteinreisen“ mit jährlichen Zuwachsraten bis zu 30 Prozent, etwa bei Fernreisen. Dass der Kunde seine Urlaubsreise individuell aus mehreren Elementen zusammenstellt, die ja auch der Reiseveranstalter anbietet, heißt aber nicht, dass das Ergebnis nicht doch eine Pauschalreise ist.

Robert Chlebec, Geschäftsführer des auf Last-Minute-Angebote spezialisierten Reisebüros Stafa Reisen, sagte der Pauschalreise für die nächsten Jahre neue Entwicklungsmöglichkeiten zu mehr Vielfalt voraus, durchaus auch für die Jugend interessant: Die boomenden Maturareisen haben alle Elemente einer Pauschalreise. Als wesentlichen Grund für die starke Nachfrage nach Last Minute-Angeboten bezeichnete er neben dem Preisvorteil die immer schwieriger werdende Planbarkeit von Urlauben: Sich Monate vorher auf einen bestimmten Termin festzulegen, ist für viele problematisch.

All Inclusive – ein Konzept für Europäer
Übereinstimmung herrschte auch in der Meinung, dass All Inclusive eine große Zukunft haben wird, allerdings auf bestimmte Segmente konzentriert. „Wir waren die Pioniere dieser Angebotsform,“ erklärte Julien Bacques, Productmanager des Club Med. „Inzwischen ist das Angebot aber so breit geworden, dass es notwendig ist, sich klar zu positionieren.“ Die aktuelle Strategie des Club Med geht in Richtung „All Inclusive de Luxe“. Das Unternehmen hat die billigeren bzw. einfacher ausgestatteten Anlagen abgegeben, die Gesamtzahl von 120 auf 80 reduziert und damit eine klar definierte Nische besetzt. „Andere können mit anderen Konzepten durchaus erfolgreich sein“, so Bacques. Gerhard Begher sieht den Cluburlaub als typische Form des All Inclusive-Angebots auf Europäer zugeschnitten – „In Asien ist das kein Thema“ – und auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet, wie Familien, Sportfans (Taucher), etc., denen vielfältige Möglichkeiten für besondere Aktivitäten geboten werden. Für Robert Chlebec zeichnet sich ein Trend zu mehr Vielfalt ab, es gibt viele Variationsmöglichkeiten, was im Pauschalpreis inkludiert ist.

Internet informiert – gebucht wird traditionell
Das Internet hat enorme Bedeutung bei der Urlaubsinformation, bei der Buchung dominieren nach wie vor die Reisebüros – jedenfalls wenn es um Pauschalreisen geht. „Vor wenigen Jahren war das Internet noch das Feindbild der Reisebüros, inzwischen hat es zunehmend eine Dienstleistungsfunktion“, erklärte DER Tour-Manager Gerhard Begher. „Vom Gesamtumsatz werden 99 Prozent klassisch im Reisebüro gebucht.“ Die meisten Kunden informieren sich im Internet, steigen dann aber unmittelbar vor der Buchung aus und gehen ins Reisebüro.

Dem stimmte auch Julien Bacques für den Club Med zu: „Nur wenige buchen im Internet und es sieht nicht so aus, dass es in ein, zwei Jahren viel mehr sein werden. Die Zugriffszahlen auf unsere Website wachsen aber kräftig.“ Für Stafa-Chef Chlebec ist das Internet ein fixer Bestandteil des Geschäfts, in das in den vergangenen zehn Jahren viel Aufwand investiert wurde. Bei der Buchung herrscht aber Zurückhaltung: „ Je ein Drittel der Kunden bucht im Reisebüro direkt, telefonisch oder im Internet – aber alle waren sie auf der Website“, so Chlebec.

Chlebec wies auf eine besondere Schwäche bei der Internetnutzung hin: Bevor man zu den konkreten Informationen gelangt, werden die meisten Entscheidungen abverlangt, die vor einer Buchung notwendig sind – vom Termin über die Unterkunftsart bis zur genauen Destination – „man kann nicht stöbern“. Für sein Unternehmen geht er daher einen anderen Weg: Die Kunden müssen nicht alle Fragen im Vorfeld beantworten, sie können gustieren und werden nicht damit überfordert, eine Wahl unter hundert angebotenen Hotels zu treffen. Das erfordert allerdings eine entsprechende Aufbereitung des Angebots, bei dem sich Chlebec am aktuell besten Preis/Leistungs-Verhältnis orientiert – verbunden mit sehr großem Zeitaufwand.

Derzeit konzentrieren sich Internet-Buchungen auf „einfache“, leicht vergleichbare Produkte, wie Flug, Hotelreservierung und Städtereise. „Das Internet hat aber auch für Buchungen mit zunehmender Erfahrung der Kunden durchaus Zukunft“, erklärte Gerhard Begher. „Als Reiseveranstalter müssen wir in allen Vertriebskanälen präsent sein; wir forcieren aber nicht wie andere, die sich eine Kostenoptimierung erwarten, eine Verlagerung. Das wäre nicht gescheit und nicht fair zu unseren Vertriebspartnern, über die nach wie vor der größte Teil des Umsatzes eingespielt wird.“ Eine ähnliche Einstellung zeigte er zum Vertrieb über Handelsketten: „Natürlich spielen wir dabei auch mit; die zu REWE gehörende ITS Billa hat ja den Anfang gemacht. Wir treten dabei aber nicht mit unserem Markennamen auf, mit Rücksicht auf unsere Reisebüro-Vertriebspartner, aber auch deshalb, weil an Wirksamkeit verliert, was überall angeboten wird.“

Vor einem Unterschätzen des Internet als Buchungsplattform warnte Amadeus Austria-Geschäftsführer Wilfried Kropp: „Pauschalreisen sind das komplizierteste Produkt, der Anteil am gesamten Reisegeschäft ist mit einem Umsatz von 100 Mio. Euro im laufenden Jahr bereits sehr groß. Vom wachsenden Geschäft der Low Cost Carrier laufen 95 Prozent über das Internet, Expedia ist das größte Reisebüro der Welt – ein reines Online-Unternehmen.“ Die Fehleinschätzung der Rolle des Internet führt Kropp darauf zurück, dass dieses Geschäft außerhalb des klassischen Vertriebsmarktes läuft und von dessen Teilnehmern daher nur unvollständig wahrgenommen wird.

Nicht jede Marktlücke ist eine Nische
Warum spezielle Zielgruppen nicht jene Betreuung finden, die man auf Grund ihrer zahlenmäßigen Größe erwarten könnte, hat einen einfachen Grund: Ein auf sie abgestimmtes Angebot ist kompliziert und bietet Konfliktstoff mit anderen Gruppen, auf die man nicht verzichten kann – oder jedenfalls nicht möchte.

„Einzelreisende sind bei praktisch allen Angeboten willkommen, mit dem Angebot spezieller Single-Reisen muss man vorsichtig sein – man kann sich damit leicht den Ruf einer „Partnerbörse“ einhandeln“, warnte DER Tour Geschäftsführer Gerhard Begher. Auch beim Club Med, der immer als Kontakt förderndes Urlaubsmodell bekannt und beliebt war, ist man zurückhaltend: Es gibt zwar Clubs, die Gäste erst ab 18 Jahren aufnehmen, bei denen geht es aber primär um Störungsfreiheit für die anderen. „Wenn ein Veranstalter ein spezielles Single-Angebot machen möchte, kann er den ganzen Club für eine Woche mieten“, erklärte Julien Bacques. „Bei Gay-Urlauben für Homosexuelle wird das erfolgreich gemacht.“

Bei Hunden geht es nicht um den guten Ruf, sondern um das spezielle Angebot und um das reibungslose Zusammenleben der Gäste mit und ohne Hund. Dass die Mitnahme von Hunden erlaubt ist, reicht nicht aus. Begher: „In allen ‚erdgebundenen’ Angeboten wird das angeführt, aber nicht, wie sich Gäste mit ihren Hunden bewegen können.“

Hans Bachleitner, der in Maria Schmolln – ein kleiner Ort nördlich von Salzburg – ein „Huntel“ betreibt, hat sich seit 15 Jahren ganz auf diese Gäste eingestellt: Er offeriert u.a. eine 5.000 m2 große Freilaufwiese mit Schwimmteich, eine Hunde-Trainingshalle und eine Hundedusche mit Pflegeraum und natürlich ein Hundeklo. Dazu eine Menge Aktivitäten für Mensch und Hund: Es gibt bereits rund 30 Hundesportarten. Das Internet ist für ihn unverzichtbar, eine Buchung setzt aber einen persönlichen Kontakt voraus: Bei zehn Hunden im Speisesaal muss vorher geklärt werden, was für ein Hund zu erwarten ist. Wenn sich Hundebesitzer wundern, dass auch andere Gäste mit Hunden da sind, wird es problematisch – besonders einsichtsvoll sind Hundefreunde nicht. „Man braucht viel Knowhow und Feingefühl und muss selbst Hunde lieben“, erklärte Hans Bachleitner. Auf die Frage, ob er von seinem Hotel mit nur 15 Betten leben kann, hat er eine klare Antwort: „Nein – das muss schon ein Hobby sein.“

Es gibt in Österreich einige Hotels, die Ferien mit Hund anbieten, aber keines mit einem vergleichbaren Angebot. Vor fünfzehn Jahren gab es ein Gemeinschaftsprospekt für „Hundefreundliche Hotels“. Als die Österreich Werbung die Finanzierung einstellte, war es aus damit.

Erkenntnis: Nicht jede Marktlücke ist eine Nische, die ausreichend Lebensraum bietet.

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28.11.2014
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